Wenn der Sheriff schießt: US-Doppelmoral zwischen Venezuela und Ukraine

Völkerrecht à la USA – Wenn der Sheriff schießt und danach nach den Regeln fragt

Ein Gedankengang von Horst Wibger ausm Pott

Pass auf, dat musste dir mal auf der Zunge zergehen lassen:
Die USA erzählen der Welt seit Jahrzehnten was von Ordnung, Regeln und Moral – und währendse dat erzählen, treten se mit beiden Stiefeln durchs Völkerrecht, als wär dat’n alter Teppich vonne Oma, der eh schon fleckig is.

Aktuelles Beispiel: Venezuela.
Ein Land, das Washington seit Jahren behandelt wie’n störrischen Einkaufswagen – erst wird geschoben, dann geruckelt, dann tritt man dagegen und wundert sich, warum dat Ding quietscht. Sanktionen, Drohungen, verdeckte Aktionen, Regime-Wechsel-Fantasien – alles schon dagewesen. Und jetzt schwebt wieder dat große Wort im Raum: militärisches Eingreifen. Natürlich nicht Angriff, nee nee – dat heißt dann „Stabilisierung“. Klingt besser fürs Gewissen.

Faktisch isses aber so einfach wie Bier auf Ex:
Ein US-Angriff auf Venezuela wäre klar rechtswidrig. Kein UN-Mandat, keine Selbstverteidigung, keine akute Bedrohung. Gar nix. Null. Nada. Dat steht sogar schwarz auf weiß inner UN-Charta. Artikel 2, Gewaltverbot. Artikel 51, Selbstverteidigung. Ende der Durchsage.

Aber wat interessiert dat den Sheriff?

Denn gleichzeitig steht da einer in Washington, der bei jedem ukrainischen Gegenangriff auf Russland die Stirn runzelt wie’n Buchhalter vorm Kneipenbon: Donald J. Trump. Der Mann, der immer dann Frieden ruft, wenn andere sich verteidigen – und Stärke predigt, wenn die USA draufhauen.

Wenn die Ukraine sich wehrt, fragt Trump:
„Muss man Putin denn so provozieren?“
Wenn Russland sich „bedroht fühlt“, dann is dat plötzlich ein Argument.
Wenn Venezuela sich bedroht fühlt – durch Sanktionen, Militärmanöver, CIA-Geflüster – dann heißt dat: Stell dich nich so an.

Merkste selber, ne?

Dat is keine Diplomatie, dat is Doppelmoral mit Sternchenbanner.

Trump tut ja immer so, als wär er der große Friedensengel mit Bauhelm. Aber der Frieden, den er meint, sieht meistens so aus:
Alle machen, wat Amerika sagt – und wer nich hört, kriegt Ärger. Dat nennt man dann Ordnung. Früher hieß dat Kolonialismus, heute heißt dat „regelbasierte Weltordnung“. Gleicher Inhalt, neues Etikett.

Und jetzt kommt der Knaller:
Trump empört sich über angebliche Pläne oder Gerüchte, die Ukraine könne Putin gezielt schaden oder destabilisieren. „Unverantwortlich“, sagt er. „Gefährlich“.
Aber wenn die USA jahrelang offen davon reden, unliebsame Regierungen „abzulösen“, dann is dat auf einmal mutige Außenpolitik.

Dat is, als würde der Kneipenschläger sagen:
„Ey, Gewalt geht gar nich – außer ich hau zuerst zu.“

Die USA haben eine lange Tradition darin, das Völkerrecht wie’n Buffet zu behandeln: Man nimmt sich, wat schmeckt, und lässt den Rest stehen. Kosovo? Ach komm, humanitär. Irak? Präventiv. Drohnen? Terrorabwehr. Venezuela? Demokratiehilfe.
Immer neues Wording, immer gleiche Methode.

Und Trump? Der setzt dem Ganzen nur noch die Clownsnase auf.
Er redet von Frieden, während er Öl ins Feuer kippt.
Er warnt vor Eskalation, während er die Lunte anzündet.
Er verteidigt „Recht und Ordnung“, aber nur da, wo’s ihm passt.

Dat Bittere daran:
Das Völkerrecht is eigentlich ziemlich klar. Da gibt’s kein großes Rätselraten. Man darf keine Länder angreifen, nur weil se einem politisch auf den Sack gehen. Punkt.
Aber wenn du genug Flugzeugträger hast, wird aus „verboten“ schnell „kompliziert“.

Und genau da liegt der satirische Wahnsinn:
Die Ukraine soll bitte ruhig bleiben, Verständnis zeigen, deeskalieren.
Venezuela soll bitte kapitulieren, sich fügen, demokratisch werden – nach amerikanischer Gebrauchsanweisung.
Und Russland? Ja gut, böse, klar – aber bitte so böse, dass es in Trumps Story passt.

Am Ende bleibt nur noch Kopfschütteln mit Ruhrpott-Akzent.
Wer mit dem Hammer rumläuft, sollte nicht ständig vom Glasdach reden.
Wer selbst bereit ist, Länder anzugreifen, sollte den Mund nicht so voll nehmen, wenn andere sich verteidigen.

Oder wie wir hier sagen würden:
Erst vor der eigenen Tür kehren – und dann ma gucken, ob der Besen überhaupt noch heil is.

Denn eins is sicher:
Solange das Völkerrecht für die einen Gesetz ist und für die anderen nur Deko, braucht sich keiner wundern, wenn irgendwann keiner mehr an die große Friedensrede glaubt. Dann zählt nur noch, wer lauter schreit – oder härter zuschlägt.

Und dat, liebe Leute, is kein Frieden.
Dat is Weltpolitik auf Kneipenniveau.

Hinweis:
Satirische Einordnung eines realen politischen Geschehens. Zuspitzungen, Vergleiche und Formulierungen dienen der Kritik – nicht der Tatsachenbehauptung.

Horst Wibger

Horst Wibger Ruhrpott-Satiriker, Besserwisser mit Herz und der lebende Beweis, dass Klartext nie aus der Mode kommt.👉 Facebook | Instagram

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